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Eurogames_konferenz_d_neu

Europäische Konferenz über
Homosexualität und Behinderung
im Sport

Behinderte bei den EuroGames 2004
Vision: Brücken bauen
Menschen mit Behinderungen sind ebenso wie Schwule, Les- die im Rahmen der EuroGames in München stattfand, war es, die ben, Bi- und Transsexuel e in der Gesel schaft mit spezifi schen Themenbereiche Homosexualität, Behinderung und Sport aufzu- Herausforderungen konfrontiert, die aus ihrer Identität und Le- greifen und miteinander zu verknüpfen. Der Schwerpunkt lag da- benssituation resultieren. Auch wenn diese zunächst sehr unter- bei auf Beispielen aus der Praxis sowie dem Kennenlernen der schiedl ich zu sein scheinen, sind sie sich teilweise strukturell jeweiligen spezifi schen Situation. Es sollte zwischen den unter-sehr ähnlich. Darüber hinaus bestehen Überschneidungen, da schiedlichen Gruppen und Organisationen Austausch und Ver-Behinderte ebenso schwul, lesbisch, bi- oder transsexuel sein netzung stattfi nden, d.h. Brücken gebaut werden.
können. Die EuroGames sind die größte Sportveranstaltung für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuel e in Europa. Neben dem In der hier vorliegenden Dokumentation sind die Beiträge der sportlichen Gedanken haben sie auch eine politische Dimension, Tagung zusammengestellt und werden so einer breiteren Öffent- indem sie gezielt einen Beitrag gegen Diskriminierung und Aus- lichkeit zugänglich gemacht. Es handelt sich dabei um die Original- grenzung gesellschaftlicher Minderheiten im Sport leisten. Durch beiträge der Vortragenden sowie einer Zusammenfassung der die Integration behinderter Menschen wurde bei den EuroGames Ergebnisse der Workshops. Ergänzt ist die Dokumentation um in München nicht nur die Diskriminierung von Schwulen und Les- einen kurzen Überblick über die Integration behinderter Men- ben im Sport zum Thema gemacht, sondern auch das Themen- schen in die EuroGames in München.
feld Behinderung und Sport angesprochen. Ziel der Konferenz, Herausgeber
EuroGames München e.V.
Postfach 33 07 02
80667 München
Chefredaktion und verantworlich
Sabine Malecek
Lektorat
Robert Bartsch, Sabine Malecek
Grafi sche Konzeption und Umsetzung
Robert Bartsch
Druck
Druck & Medien Schreiber GmbH
Programm 30. Juli 2004
Veranstaltungsort: Zentrale Hochschulsportanlage (ZHS), München, Connollystraße 32 09.00 Grußwort EuroGames München Grußwort Aktion Mensch Grußwort European Gay and Lesbian Sport Federation 09.30 - 10.00 Impulsreferat I

Homosexualität und Behinderung Hans Hengelein, Schwulenreferent der Niedersächsischen 10.00 – 10.15 Portrait Daniela von Raffay, Soziologin, Berlin 10.15 – 10.45 Impulsreferat II

Behinderung im Sport Reiner Krippner, Ehrenpräsident Behinderten- und Versehrten- sportverband Bayern e.V.
10.45 – 11.00 Portrait Gerd Schönfelder, vierfacher Goldmedail en- Gewinner bei den Paralympics im alpinen Skisport 11.00 – 11.30 Pause 11.30 – 12.00 Impulsreferat III

Integration im Sport: Ist Sport eine Möglichkeit, Behinderte sowie Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuel e in die Gesel - schaft zu integrieren Lucy Faulkner, Gleichstel ungsbeauftragte für Ethik und Sport, Englischer Fußbal verband 12.00 – 13.00 Gemeinsame Diskussion mit den KonferenzteilnehmerInnen 13.00 – 14.00 Mittagspause 14.00 – 16.00 Workshop I
Schwullesbische behinderte Jugendliche Präsentation der Studie „Doppelt anders? Studie zur Lebenssituation junger Lesben, Schwuler und Bisexuel er mit Behinderung" von Silke Rudolph Sprecherin: Dorothee Karle, Sozialpädagogin, Koordinatorin von LAMBDA hoch zwei Moderation: Verena Löhner, Technische Universität München, Lehrbeauftragte für Behinderung im Sport 14.00 – 16.00 Workshop II
Sport: ein sicherer Hafen für Schwule und Lesben in Europa? Informationen zur Situation von Schwulen und Lesben im Sport in Europa. Diskussion über Verbesserungsbedarf auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene. • Auf europäischer Ebene: Ben Baks (Kontaktperson zum Europarat der EGLSF) • Auf lokaler Ebene: Stanislav Tanchev (Sportverein Tangra, Sofi a, Bulgarien) • Outreach für Schwule und Lesben im Sport: Lou Manders (EuroGames 2005, Utrecht, Niederlande) Moderation: Ole Udsholt, EGLSF Verena Löhner, TUM 16.00 – 16.30 Pause 16.30 – 17.30 Diskussion und Zusammenfassung der Workshops Konferenzorganisation: Iris Herwald-Schulz, amazed-Sportkommunikation Grußwort zur Konferenz Sehr geehrte Damen und Herren, die Integration von Menschen mit Behinderung in die EuroGames 2004 in München war von Anfang an eines der wesentlichen Ziele der OrganisatorInnen dieser Spiele. Gemeinsam mit dem Behinderten- und Versehrtensportverband Bayern (BVS) wurde ein Konzept entwickelt, Behinderte in die EuroGames 2004 zu integrieren. Die Zusammenarbeit mit dem BVS wurde bereits sehr früh in den Vorbereitungen zu den Spielen begonnen und war ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg der Behindertenintegration. Die EuroGames wurden in ehrenamtlicher Arbeit von den Münchener schwul esbischen Sportvereinen organisiert. Auf Grund der feh-lenden Erfahrung im Umgang mit Behinderten im Sport hat sich die Zusammenarbeit als sehr fruchtbar erwiesen. In einem sehr frühen Stadium der Organisation wurde ein gemein- sames Treffen mit allen OrganisatorInnen der einzelnen Sportarten durchgeführt, bei denen alle Beteiligten bereits sehr früh in der Planung mit den Anforderungen vertraut gemacht wurden. Wir danken an dieser Stel e dem BVS sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit. Daraus haben wir eine Menge gelernt.
Das Ergebnis sind 46 behinderte Menschen aus ganz Europa, die sich für 17 verschiedene Sportarten bei den EuroGames angemeldet haben. Neben dem Sport gibt es jedoch eine ganze Reihe von Aktivitäten während der EuroGames, die die Integration behinderter Menschen sichtbar machen. Die beeindruckende Vorstel ung der Rollstuhltanzgruppe des USC bei der Eröffnungsfeier sowie die Gebärdendolmetscher-Innen bei vielen Veranstaltungen sind zwei Beispiele, die zeigen, dass behinderte Menschen bei den EuroGames mit dabei sind.
Ein anderer Aspekt ist die nun stattfi ndende Konferenz zum Thema Homosexualität und Behinderung im Sport. Wir wollten ein selten diskutiertes Thema in den Mittelpunkt stellen, um verschiedene Themen miteinander zu verknüpfen. Unser Ziel war es, Brücken zwischen den Themenbereichen Behinderung, Homosexualität und Sport zu bauen. Wir wol ten einen Raum schaffen für Diskussionen, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Für die Organisation von Veranstaltungen ist immer etwas Geld nötig. Ich möchte gerne an dieser Stelle der Aktion Mensch und der Stiftung für Bildung und Behindertenförderung für ihre fi nanzielle Unterstützung zur Integration behinderter Menschen in die EuroGames 2004 in München danken. Darüber hinaus danke ich der TU München, insbesondere der Fakultät für Sportwissenschaft, dass wir während der EuroGames die Räumlichkeiten der Zentralen Hochschulsportanlage nutzen dürfen. Und nicht zuletzt danke ich Iris Herwald-Schulz, die diese Konferenz maßgeblich organisiert hat. Ich wünsche Ihnen al en eine sehr erfolgreiche Konferenz mit neuen Erkenntnissen und guten Diskussionen. Sabine Malecek
Sportsmanagement
EuroGames 2004

Grußwort zur Konferenz Aktion Mensch sendet die besten Wünsche zur „Europäischen Konferenz Homosexualität und Behinderung im Sport". Die EuroGames 2004 werden durch Aktion Mensch unterstützt.
Behinderte Menschen machen ebenso wie Schwule und Lesben Erfahrungen mit Diskrimi-nierung und Ablehnung. Die Veranstaltungen im Rahmen der EuroGames ermöglichen es diesen Menschen zusammenzukommen und sich international auszutauschen. Die Öffent-lichkeit wird auf Diskriminierungen durch die Medienberichterstattung über Sportwett-kämpfe, kulturel e Veranstaltungen und diese Konferenz der EuroGames aufmerksam ge-macht. Wo Vorbehalte gegenüber bestimmten Gruppen bestehen gibt es auch immer Ab-lehnung und Diskriminierung. Die EuroGames machen die Lebenssituation und die Bedürf-nisse von behinderten Menschen, Schwulen und Lesben sichtbar und sind somit ein Beitrag tion Mens
für mehr Akzeptanz. Projekte, die soziale Ungerechtigkeiten ausgleichen und Chancengleichheit in den Mittel- punkt stellen, bilden einen Schwerpunkt der Unterstützung von Aktion Mensch. Durch un-sere Unterstützung wollen wir zu sozialer Verpfl ichtung aufrufen. Wir freuen uns, dass durch die EuroGames ein Beitrag für dieses Anliegen geleistet wird. Wir wünschen Ihnen eine interessante Konferenz, inspirierende Diskussionen und erfolg-reiche Ergebnisse.
Dieter Gutschick
Geschäftsführer der Aktion Mensch


Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Veranstalter, Schwulenreferent der Niedersächsischen ich möchte mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, hier im Rahmen der EuroGames 2004 zum Thema „Homosexualität und Behinderung" sprechen zu können.
Diejenigen unter Ihnen, die mich anschauen, können sehen, dass ich offensichtlich behindert bin. Was Sie wahrscheinlich nicht so-fort wahrnehmen ist, dass ich auch schwul bin. Ich bin für den heutigen Vortrag wie geschaffen. Somit wird – anders als bei sons-tigen wissenschaftlichen oder politischen Vorträgen – immer wie-der Persönliches aus meinem eigenen Leben einfl ießen.
Zunächst kurz zu meiner Person: 1955 bin ich in einem 200-Seelen-dorf als Zwilling auf einem fränkischen Bauernhof geboren, 1958 erkrankte ich an Polio. 1977 habe ich mit anderen Behinderten und Nichtbehinderten in Erlangen die Studenteninitiative Behin-derter (STIB) gegründet. Bis zu meinem Weggang 1984 habe ich bei STIB mitgearbeitet und war jahrelang deren Vorsitzender. Heute sind die aktivsten Gründungsmitglieder MitarbeiterInnen im Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Erlangen. Seit 1982 bin ich in der Schwulenbewegung aktiv. Ich habe mich über Jahre hinweg in beiden Bewegungen engagiert, ohne dass es zwischen diesen eine Verbindung gab.
Berufl ich war ich von 1984 bis 1987 Mitarbeiter der Grünen im Bundestag, zunächst für den Schwulen- und Behindertenbereich, dann als Referent beim Fraktionsvorstand. Von 1988 bis Herbst 1991 war ich Leiter des Referates für Menschen mit HIV und AIDS bei der Deutschen AIDS-Hilfe in Berlin. Anschließend Geschäfts-führer des Kuratoriums für Immunschwäche in München. Seit dem 1. Juli 1992 bin ich Referent der Niedersächsischen Landesregie-rung für männliche homosexuelle Lebensweisen, so der offi zielle Titel. Persönlich nenne ich mich lieber Schwulenreferent. Von mei-ner Ausbildung her bin ich Diplom-Psychologe.
Ich werde mich in meinem Vortrag zunächst mit meinem Leben als Mensch mit einer Behinderung auseinandersetzen und meinem Engagement in Selbsthilfegruppen für Behinderte und Nichtbehin-derte.
Dann werde ich in einem weiteren Schritt Parallelen und Unter-schiede zwischen der AIDS-Hilfe-Bewegung und der Behinder-tenbewegung aufzeigen, um dann in einem dritten und letzten Schritt (Homo-)Sexualität und Behinderung zusammenzuführen. Zielsetzung des Vortrages ist somit, die Themen Behinderung, AIDS und Homosexualität miteinander in Beziehung zu setzen.
Es gibt nicht den Schwulen, die Lesbe
oder den Menschen mit AIDS.
1. Meine erste Selbsthilfegruppe: März 1977, Friedrich-Alexander- der Teilnehmer nach dem ersten Tag Durchfall hatte, war die Angst Universität Erlangen, Psychologisches Institut, ein Aushang: „Du bei Einzelnen, dass das Essen vergiftet sei, doch schnell vorhan-bist nicht allein! Suche andere schwerbehinderte Studenten und den, genauso, als fünf bestellte Taxen nicht kamen, war schnell Studentinnen zum Erfahrungsaustausch, möchte meine Isolation vom Boykott die Rede." Andererseits war ich in einem Resümee aufbrechen". Daraus hervorgegangen ist die STIB, die Studenten- für die Schwulenzeitschrift Siegessäule damals der Meinung: „Aus initiative Behinderter in Erlangen. 25 Jahre später ist aus dieser der Stellvertreterpolitik wird ein Selbstvertretungsanspruch. Was Gruppe u.a. ein professionell arbeitendes ,Zentrum für selbstbe- das für die Deutsche AIDS-Hilfe und die einzelnen AIDS-Hilfen stimmtes Leben' mit 20 hauptamtlich beschäftigten Behinderten heißen kann, bleibt abzuwarten. Wir hoffen auf jeden Fall, dass entstanden. Andererseits: Viele aus unserer damaligen Gruppe damit der Druck auf die AIDS-Hilfen wächst, sich mit ihren „eige-sind inzwischen verstorben oder werden auf Grund der Spätfolgen nen" HIV-AK-Positiven konstruktiv auseinander zu setzen. Es ihrer jeweiligen Behinderungen nachts beatmet. Die Auseinander- scheint, dass politisches Handeln vorerst wegen der erhöhten in- setzung mit dem Tod begann für viele von uns sehr früh, bei mir dividuellen Belastung nur in Ausnahmefällen möglich ist."spätestens mit fünf Jahren, als ich zum ersten Mal in einer Klinik im so genannten Sterbezimmer lag.
Nach der ersten Bundespositivenversammlung 1990 lesen wir: „So unterschiedlich wir auch leben mögen, wir lassen uns nicht Diese kurze Schilderung zeigt meines Erachtens den möglichen auseinander dividieren, gerade nicht in dem zentralen Punkt. Unser Weg einer gelungenen Selbsthilfegruppe auf. Vom Sich-allein-füh- Leben – sei es auch zeitlich noch so begrenzt – wollen wir selbst len, über Selbst- und Gruppenerfahrung, zum Aufbau einer Wir- bestimmen und in allem, was unser Leben von außen beeinfl usst, Identität hin zur Schaffung einer Gegenöffentlichkeit bzw. Gegen- wollen wir selbstbewusst und selbstständig mit entscheiden: bei wehr bis zum Aufbau eines alternativen eigenen Betriebes. der medizinischen Forschung und Therapie, bei rechtlichen Frage-stellungen, bei der Pfl ege im Krankheitsfall, bei den Formen unserer Meine generalisierbare Erfahrung: Wenn eine Selbsthilfegruppe Selbstorganisation, natürlich bei der AIDS-, Drogen- und Schwulen-gut funktioniert, ist ein Zurück zur Selbst- oder Gruppenerfahrung politik".
bei neuen biografi schen Brüchen immer wieder möglich.
Und heute? Nach nur 20 Jahren hat die Deutsche AIDS-Hilfe als 2. Die AIDS-Hilfe-Bewegung: Vor 16 Jahren – Pfi ngsten 1988 – stand Dachorganisation bundesweit 130 Regionalgruppen, schätzungs- ich aufgeregt hier in München auf dem Marienplatz beim 2. Euro- weise – trotz aller fi nanzieller Kürzungen – 500 hauptamtlich Be- päischen Positiventreffen. Ich war inzwischen HIV-Referent der schäftigte und einige tausend ehrenamtlich Tätige. Damit ist sie ihr Deutschen AIDS-Hilfe. „Meine Erinnerungsfetzen an das Jahr eigener kleiner Wohlfahrtsverband. 1988: ein Jahr Bayerischer Maßnahmenkatalog gegen AIDS. Das Europäische Positiventreffen in München stand unter dem Motto Warum erzähle ich Ihnen das so ausführlich? Erstens war mein „Mut gehört dazu". Die Furcht vor Einschränkungen von Bürger- berufl icher Werdegang in den letzten 20 Jahren immer eng mit rechten bewegte uns, die Reform des § 175 Strafgesetzbuch lag meinem eigenen Lebensentwurf verknüpft. Ich war und bin in 20 noch keine 20 Jahre zurück. Für HIV-positive Drogengebraucher Jahren Berufserfahrung immer auch Experte in eigener Sache. musste akzeptierende Drogenarbeit noch erkämpft werden. BINE, Und zweitens begleite ich seit über 25 Jahren – manchmal als Ini-das Bisexuelle Netzwerk war noch nicht gegründet, funktionierende tiator, manchmal aus der Nähe, manchmal aus der Ferne – Selbst- Netzwerke von und für HIV-positive Frauen noch nicht ins Leben hilfegruppen, NGOs im Schwulen-, Behinderten- und AIDS-Be-
gerufen, an MigrantInnen-Netzwerke noch nicht zu denken. Das reich in Deutschland. Und die dabei ablaufenden Prozesse sind
erste AIDS-Medikament AZT/Retrovir war gerade zugelassen. Die durchaus vergleichbar, auch wenn jede Selbsthilfegruppe ihr Pro-
wirklichen Renner waren alternative Behandlungsansätze, wie AL 721,
blem, ihren Lebensentwurf als einzigartig empfi ndet.
Autovakzine, Padma 28, Stutenmilch oder astrologische Homöo-pathie. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden konservati- Selbsthilfegruppen beanspruchen Mitspracherechte auf Grund ihrer ven Politikern Rita Süßmuth und Peter Gauweiler um den richtigen Betroffenen-Kompetenz und ihres Expertentums für die eigene Weg aus der AIDS-Krise war machtpolitisch noch nicht ganz ent- Krankheit oder Behinderung. Und sie sind damit häufi g sehr er- Die Furcht vor Repressalien bestimmte häufi g unseren Alltag. Wie Allerdings so wenig wie es den typischen Behinderten gibt, gibt es weit dies manchmal ging, zeigte sich in München … „als ein Drittel den Schwulen, die Lesbe oder den Menschen mit AIDS.
Folglich gibt es auch nicht das erfolgreiche Rezept zur Gründung Für diejenigen unter uns Behinderten, denen es neben dem Ab- und Aufrechterhaltung von Selbsthilfegruppen. Zu beherzigen ist senken von Bordsteinen, dem Einklagen von rollstuhlgerechten unbedingt: wenn Selbsthilfegruppen ihren Zweck erfüllt haben Wohnungen und Theatern, materieller Grundsicherung, dem oder psychisch nicht mehr gut tun, ist der Zeitpunkt gekommen Recht auf Schule und Ausbildung, Mitspracherecht bei städtebau- sie aufzulösen. Dies wird leider viel zu wenig praktiziert. lichen Veränderungen, darüber hinaus auch um die Artikulation ureigenster emotionaler Bedürfnisse ging, begann ein sehr So können wir uns an diesem Morgen dem komplexen Thema und schmerzhafter Prozess. Einige wenige entschieden sich, nur noch den darin involvierten Individuen immer nur annähern.
mit anderen Behinderten arbeiten und leben zu wollen. Es ent-stand in den frühen 80er Jahren der trotzige Begriff des „Krüp- Nun der dritte und schwierigste Teil, die Verknüpfung von Behin- pels" und der „Krüppelgruppe", von denen aus vielerlei Gründen, derung mit Sexualität oder wie sexuell hätten wir Behinderte es die hier nicht zu thematisieren sind, letztendlich die Krüppellesben denn gerne und sind diese Wünsche auch erreichbar? Habe ich übrig blieben.
als Behinderter Mann überhaupt das Recht, einen vermeintlich intakten männlichen Körper zu begehren? Und umgekehrt dürfen Und wir behinderten Männer? Unser Aufbegehren war sehr Nichtbehinderte überhaupt behinderte Körper sexuell begehrens- schwach – kommt doch eine nichtbehinderte, sich sozial sorgende (Ehe-) Frau an der Rollstuhlseite eines behinderten Mannes immer noch den Idealen einer Gesellschaft näher, als dies generell für Schon 1919 lesen wir in dem Buch „Sieghafte Lebenskämpfer" behinderte Frauen oder schwule behinderte Männer gilt, wenn über behinderte Menschen: „Ist die Vorführung schöner Formen diese anfangen, ihre emotionalen und sexuellen Wünsche an für Gebrechliche nicht niederdrückend? Sollte man daher nicht Nichtbehinderte heranzutragen.
vielleicht auch auf eine besondere Ästhetik für Gebrechliche Be-dacht nehmen oder anderen gemütsbildenden Einwirkungen den Wenn es um Kritik an manchen Verhaltensweisen der Nichtbehin- Vorrang vor der Kunst zuerkennen?" Das alte Zitat wirft durchaus derten ging, mit denen wir zusammenlebten und unsere Bedürf- einen Spannungsbogen zu unserem heutigen Thema. nisse teilten, haben wir als Menschen mit einer Behinderung zu oft geschwiegen. Eine öffentliche Auseinandersetzung um die vielfäl- Während es für mich ab Mitte der 70er Jahre wichtig war, mich in tigen Abhängigkeiten von Nichtbehinderten fand kaum statt. Und Behinderten- und Krüppelgruppen zu organisieren und zu politi- sie ist auch heute nach wie vor sehr selten, weil sie schlichtweg zu sieren, blieb die Auseinandersetzung mit meiner Sexualität und schmerzhaft ist.
insbesondere mit meinem Schwulsein bis Ende der Siebziger ein absolutes Tabu. Ich hatte meine Fantasien vom geilen, nicht be- Nichtsdestotrotz – ich habe mich ab Anfang der 80er Jahre, erst hinderten, weißen Knackarsch, der sich mir bedingungslos unter- langsam, und dann immer selbstbewusster, für die schwule, nicht- ordnet, und gleichzeitig meine Wut auf die Schwulen, die ich ja behinderte Welt entschieden. Ich habe in schwulen Projekten ge- nicht kannte, und auf deren bedingungslosen Hang zur Körper- arbeitet, habe kritisiert und eingeklagt – Schwules in erster Linie. lichkeit. Ich hatte Angst, in eine Schwulengruppe zu gehen, weil Eine öffentliche Auseinandersetzung über schwule Verkehrsfor- ich mich als Polit-Krüppel, der sich über Jahre in der Behinderten- men untereinander gab es nicht. Habe ich mich wirklich einmal bewegung mit der Scheinwelt intakter Körper kritisch auseinander geäußert, blieb diese Kritik im Halböffentlichen stecken. Wenn ich gesetzt hatte, plötzlich einer Gruppe von Männern zu stellen hatte, daran denke, mit welchem Medienaufwand die Schwulenbewe- die pure Sexualität mit reinen, perfekten Körpern zum politischen gung in den 80er Jahren jede Diskriminierung etwa eines nicht Programm erhoben hatte; zwar nicht offen, denn es war die große genehmigten „schwulen Bücherstandes" in der Fußgängerzone Zeit der theoretischen Revolution, aber doch zumindest heimlich. durch die heterosexuelle Feindeswelt dokumentierte, kommen mir Ich hatte Angst, als Schwuler zu leben, denn meine Vorstellung heute noch die Tränen. Die Ausgrenzung in den eigenen Reihen von schwuler Sexualität war, Stricher zu kaufen, um mich dann wurde gefl issentlich übersehen. Wer nicht wahrgenommen wer- anschließend von diesen auch noch ausrauben zu lassen. Ich den kann, weil er oder sie nicht dabei sein kann, den oder die gibt hatte Angst vor unendlicher Einsamkeit, denn, wie gesagt, reden es nicht – so einfach ist das." über Sexualität in Behindertengruppen war tabu, nur fortschritt-liche Sozialarbeiter und Pädagogen klagten lautstark ein Recht So aggressiv habe ich mich vor 13 Jahren in einem Artikel zum auf Sexualität für Behinderte ein, solange sie nicht selbst zum Spannungsverhältnis zwischen behinderten schwulen Männern Objekt der Begierde wurden.
und der schwulen Subkultur geäußert.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpfl ichtung aller staatlichen Gewalt.
Was hat sich seit dem, insbesondere durch die Auseinanderset- Lassen Sie mich vor meinem Schlusswort noch einige persönliche zung mit HIV und AIDS oder dadurch, dass wir schlicht 13 Jahre Worte zum Schwerpunkt „Sport" verlieren. Ich war während der älter geworden sind, geändert? Die Selbsthilfe von Menschen mit ganzen Schulzeit auf Grund meiner Behinderung vom Sportunter- HIV und AIDS hat ihren Ort in der Behindertenbewegung bislang richt befreit. Hätten nicht engagierte Sportlehrerinnen und -lehrer jedenfalls noch nicht gefunden, sondern blieb der AIDS-Hilfe und mir Einzelunterricht erteilt, hätte ich weder Schwimmen gelernt den Herkunfts-Communities, also vor allem der Schwulengemein- noch Grundkenntnisse in manch anderer Sportart erworben. Diesen de, deutlich enger verbunden. Zwar tragen etliche Menschen mit engagierten SportlehrerInnen des Gymnasiums Lauf an der Peg- HIV und AIDS den Behindertenausweis in der Tasche, die Be- nitz verdanke ich es unter anderem, dass ich ein gutes Körper- zeichnung „behindert" würden viele von ihnen jedoch von sich bewusstsein entwickelt habe, gelernt habe meinen Körper anzu-weisen, obwohl die jetzigen Medikamente Menschen mit Lipodys- nehmen und zu fordern, aber auch schön zu fi nden. Das kann trophie oder Crixibellis haben entstehen lassen.
gelungener Sportunterricht durchaus leisten. Diese Schulstunden sehe ich als Beispiel eines gelungenen Miteinanders. Daniela von Noch heute repräsentiert die AIDS-Hilfe eine bestimmte Kultur Raffay wird in ihrem Vortrag weitere positive Beispiele aus ihrem des offenen Umgangs mit Drogen und Sexualität, der in anderen Leben schildern. Organisationen von behinderten und chronisch kranken Men-schen oftmals Befremden, aber auch Faszination auslöst.
Vom Schulsport und von den Sportverbänden erhoffe ich mir, dass in Zukunft sowohl Behinderte als auch Lesben und Schwule Andererseits verdanken wir es den AIDS-Hilfen, dass Themen wie über sich sagen können: „Ich bin und war Teil davon. Ich habe chronische Erkrankung, Behinderung und Sterben auf der einen mich wohlgefühlt und wurde nicht schon im Sport zur Außenseite- Seite, Sexualität – und hier insbesondere Homosexualität – auf rin, zum Außenseiter gestempelt."der anderen Seite in den letzten 15 Jahren nun miteinander ver-woben ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurden.
Mir ist bewusst, dass es keine Kochrezepte eines guten Miteinan-ders gibt. Und das ist auch gut so. Sollte es uns während der Das Recht, eigene Bedürfnisse zu artikulieren, und das Recht auf nächsten Stunden gelingen, miteinander ins Gespräch zu kom- die eigene Sexualität sind inzwischen stärker ins Blickfeld ge- men, voneinander zu lernen, wäre dies ein wichtiger Beitrag.
Es gibt nun mal gehörlose Schwule oder lesbische Rollstuhlfahre- Schon vor acht Jahren hat das Niedersächsische Sozialministerium rinnen. Wir müssen zumindest lernen mit den Minderheiten in un- eine viel beachtete Veranstaltung unter dem Motto „Behinderte serer eigenen Minderheit respektvoll umzugehen.
Liebe" durchgeführt. Wir haben damals zwar keine Patentrezepte gefunden, allerdings ist es uns gelungen, Menschen mit unter- Dabei sollten wir bei aller Integrationseuphorie die besonderen schiedlichsten Behinderungen, mit unterschiedlicher sexueller Eigenheiten des Einzelnen, die ihn zu etwas ganz besonderen Orientierung, ob privat zu Hause oder im Heim lebend, mit oder machen, niemals aus den „Augen verlieren".
ohne persönliche Assistenz, zusammenzubringen. 300 Menschen kamen zur Veranstaltung. Sie bestätigte uns darin, was schon in Deshalb möchte ich mit einem Zitat des schwulen gehörlosen Artikel 1 unseres Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen Schriftstellers Raymond Luczak schließen: „When I meet hearing ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpfl ichtung men who have met other deaf men, their fi rst remark is almost al- aller staatlichen Gewalt." ways „You have good speech!". In such moments I can under-stand how a black person feels when the lightness of his skin is Die Würde des Menschen drückt sich nicht durch einen makel- losen Körper aus, was auch immer das sein mag. „Würde" drückt sich aus durch gegenseitigen Respekt, Achtung, Anerkennung auf Herzlichen Dank für Ihre Geduld und Aufmerksamkeit. einer persönlichen Ebene.
In der Kürze der Zeit war es mir hoffentlich möglich, einige der Aspekte, die „Homosexualität und Behinderung" ausmachen, auf-zuzeigen.
Mir liegt daran, Behinderung auch als Herausforderung und nicht immer nur defi zitorientiert zu sehen.
Portrait Daniela von Raffay
Soziologin, Berlin
Guten Tag und hallo liebe Teilnehmer dieser Konferenz! Hans und ich gründeten im Anschluss an das Utrechter Treffen die „Freak-Show", ein alljährlich stattfi ndendes Treffen deutschspra- Hallo Polionauten, Conterganoven, Einbeinige, Lahme, Blinde, Ge- chiger Lesben und Schwuler (Deutschland, Schweiz, Österreich). hörlose … all Ihr „herausgeforderten" Sportlerinnen und Sportler! Es fand in den folgenden Jahren im idyllisch gelegenen Wald-schlösschen statt, einem freien Tagungshaus, einer Akademie, Meine „Herausforderung" besteht darin, dass ich vertikal und bei Göttingen in Niedersachsen. horizontal herausgefordert bin, mit anderen Worten zu klein und zu dick … – das liegt wohl daran, dass mich mit drei Jahren die Polio- Gegenseitiges Kennenlernen stand im Vordergrund. Es wurde durch myelitis ereilte. Die Impfung war noch nicht Pfl icht und so wurden individuelle Massagen, Körperentspannungstraining und erotische Hans Hengelein und ich von einem dieser Viren befallen.
Waldspaziergänge gefördert. Workshop-Themen waren unter ande-rem „was verbindet lesbische Frauen und schwule Männer, die Wir beide lernten uns vor zehn Jahren (1991) in den Niederlanden behindert sind?".
kennen. Bei einer europäischen Konferenz lesbischer und schwu-ler Behinderter in Utrecht. Es gab viele Workshops für hunderte von Wir entdeckten Gemeinsamkeiten, z.B. wenn es um die Kontakt- Teilnehmern. Während der Tagung regnete es in Strömen. Die Bei- aufnahme in der homosexuellen Subkultur geht. Wir versuchen träge fanden in unterschiedlichen weißen Zelten auf einem großen manchmal unsere Behinderung unsichtbar zu machen, indem wir Wiesengelände statt. Um nicht nass zu werden, hatten die Orga- beispielsweise den Blindenstock oder die Krücken verstecken. Und nisatorInnen einen „umbrella-service" eingerichtet. Das hieß, dass wir sind dann um so peinlicher berührt, wenn wir zum Tanzen auf- uns sofort attraktive Kampfsportlerinnen mit einem Regenschirm gefordert werden und dann eventuell passen müssen. von Ort zu Ort begleiteten, sobald wir auf den Zelteingang zurollten. Auf diese Weise wurden natürlich sofort Kontakte geknüpft und Kennen Sie den Begriff „tabs"? Das sind die „temporarily able das „Cruisen"/die „Anmache" konnte beginnen.
bodied" – also die Nichtbehinderten, die unter Umständen nur eine Zeit lang in ihrem Leben über all ihre körperlichen, seelischen und Ein sehr starkes und stolzes Selbstbewusstsein wurde den Teilneh- geistigen Funktionen verfügen. merInnen vermittelt, die bei Lydia Zjidel, einer rollenden Schwarz-gurtträgerin am Workshop teilnahmen. Jede Frau sollte ein Brett, Gerade im Bereich Sport ist es urplötzlich möglich, dass ein gera- das zwischen zwei Ziegelsteinen lag, durchhauen. de noch voll funktionsfähiger Körper seinen Geist aufgibt. Viele von uns haben die Fußball-Europameisterschaft in Portugal mitverfolgt Dies bildete die Grundlage einiger von uns für ein jahrelanges Trai- und gesehen, wie Wayne Rooney, der junge Shooting-Star, sich ning in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, z.B. Wen Do plötzlich den Fuß brach und ausscheiden musste.
oder Karate. Jede Frau erlernte Techniken, um sich im Ernstfall auf ihre individuelle Art verteidigen zu können, sei es verbal oder non- Die Hindernisse im Leben Behinderter sind zahlreich. Wir sind per- manent herausgefordert eine Hürde zu überwinden. Bevor wir eine Reise antreten oder auch nur unsere vier Wände In Berlin gründeten wir Anfang der 80er Jahre eine Rollstuhl- verlassen, müssen wir sicher stellen, ob der Ort, an den wir gelan- basketballgruppe. Die Regeln wurden so aufgestellt, dass alle gen wollen, zugänglich, also barrierefrei ist.
TeilnehmerInnen nach ihren individuellen Fähigkeiten mitmachen konnten. Für Frauen, die z.B. auf Grund einer spastischen Lähmung Für Rollstuhl fahrende Personen stellen Türbreiten, Stufen und WCs nur einen Arm benutzen konnten, galt eben schon ein Korbleger/Tor, große Hindernisse dar. Für „anders Behinderte" gibt es andere wenn der Ball nur den Pfosten berührte.
Herausforderungen.
Mittlerweile bin ich in die Jahre gekommen (geboren 1951) und Als ich beispielsweise gestern mit dem Nachtzug von Berlin nach betreibe nicht mehr so viel aktiven Sport. München fahren wollte, stellte sich mir folgendes Hindernis in den Weg: Ich kann keine Zugfahrt über sieben Stunden sitzend verbrin- Es wäre sehr begrüßenswert, wenn sich für behinderte Lesben und gen. Der Zug sollte um 00.12 Uhr, also nachts, den Bahnhof ver- Schwule, die nicht mehr dem Jugendwahn verfallen sind, Initiativen lassen. Ich brauche Einstieghilfe mit einem Hublift, um mit dem gründen würden.
Rollstuhl in den Zug zu gelangen. Es wurde mir mitgeteilt, dass das Personal für die Hilfe nur bis Mitternacht arbeitet. Mir wurde gesagt: Was ist zur Sexualität, Homosexualität zu sagen? Ich habe das „Irgendwann müssen die ja auch Feierabend haben." Glück, dass es in meiner Familie ein paar lesbische Frauen und schwule Männer gibt. Auch wenn Homosexualität weder anste- Zum Glück gibt es in unserer Hauptstadt Berlin eine Bahnhofs- ckend noch vererbbar ist, häufen sich bei meinen Familienangehö- mission, die teils ehrenamtlich rund um die Uhr arbeitet. Somit rigen die Lesben und Schwulen. So hatte ich keinerlei Probleme konnte mir geholfen werden .
mit meinem Coming-out.
Wie aber ergeht es Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten in anderen Behinderten Frauen wird oftmals schon in frühen Kindertagen Städten? Müssen sie sich brav vor Mitternacht ins Bett legen? einsuggeriert, dass sie mal keinen Mann abbekommen würden. Leider entspricht dies auch der, statistisch gesehenen, Realität. Sportliche Hürden in meinem Leben: Ich erkrankte mit drei Jahren Frauen haben die Versorgungsrolle im Haushalt, deshalb nehmen an Poliomyelitis, verlernte erstmal das freihändige Laufen, um es sie gern auch noch einen behinderten Mann dazu .
dann erneut mit Gehschienen an den Beinen und Krücken zu pro-bieren. Im Turnunterricht hatte ich immer eine gute Note, da die Während behinderte Frauen wiederum selten einen versorgenden Lehrerin erkannte, dass ich es durch meine „andere Befähigung" Ehemann oder eine Ehefrau fi nden. Das gleiche gilt für homo- durchaus sehr gelenkig viele Übungen, z.B. am Barren oder der so sexuelle Männer, die in der Regel keine langjährige Partnerschaft genannten „schwedischen Leiter" (z.B. Sprossenwand) besser als meine Mitschülerinnen machte. Ich entwickelte einen sehr musku-lösen Oberkörper und hangelte mich mühelos mit Klimmzug über Es gilt die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit auszuloten, das den Barren. Auf Grund der Polio erfreute ich meine Mitschülerinnen hieße einerseits, nicht dem Jugendwahn zu verfallen und auf der mit Spagat und kreuzweise über den Hals gehängten Beinen.
anderen Seite aber der banalen Wirklichkeit ins Auge zu sehen, dass wir alle älter werden, aber trotzdem, trotz der verschiedenar- Dies mochte zwar von Erwachsenen als auffälliges „Herumge- tigen Einschränkungen das Beste draus machen.
kaspere"/Clownerei eingestuft werden, ich aber hatte meinen Spaß und „Spaß muss sein". Das können mir die spastisch gelähmten Ich habe bei meinen Recherchen weder in Berlin noch deutsch- Kollegen und Kolleginnen sicher bestätigen.
landweit eine Gruppe/Organisation behinderter Lesben und Schwu-ler, die Sport treiben, fi nden können. Es gibt die Olympiade, die Natürlich konnte ich irgendwann auch schwimmen, die „Meister- Paralympics; vielleicht könnten wir uns schon mal einen Namen für disziplin" der „Polionauten". Ich erlernte Radfahren, liebte Pferde, schwullesbische Behinderten-Sportspiele (z.B. anders befähigter ging reiten, fi el oft herunter, was mir aber auf Grund meiner „Polio- Lesben- und Schwulen-Sport) ausdenken? Gelenkigkeit" keinen größeren Schaden zufügte. Ich erzähle Ihnen diese Geschichten, weil mir daran liegt Behinderung auch als He- Sicher treiben viele behinderte Lesben und Schwule Sport in einem rausforderung und nicht immer nur defi zitorientiert zu sehen.
Behinderten-Sport-Verein oder je nach Einschränkung gehen sie zusammen mit Nichtbehinderten einer sportlichen Betätigung nach.
Die „Kranken"gymnastik (der Name sagt schon alles), die mir in den 50er und 60er Jahren angediehen wurde, wollte immer nur, Ich persönlich bin mir auch nicht sicher, ob es tatsächlich erstre- dass ich mein lahmes Bein hebe, strecke, drücke. Dies war natür- benswert ist, als behinderte Lesbe Sport ausschließlich mit eben- lich mit einer riesigen Frustration verbunden, da sich ein vollständig falls behinderten Lesben zu betreiben. gelähmtes Bein nicht einfach strecken lässt.
Hauptsache, wir haben Spaß dabei und unser Selbstwertgefühl Glücklicherweise kamen im Lauf der Jahre die alternativen Heilme- wird gestärkt, egal ob bei gemeinsamen Handbike-Ausfl ügen oder thoden ins Spiel, die die Körperfunktionen unterstützten, die mir beim Boule-Spielen. verblieben waren und wodurch ich große Erfolgserlebnisse hatte: z.B. Yoga, Qi Gong oder Feldenkrais, um nur ein paar Beispiele zu Und gelebte Sexualität, kurzgesagt „Bett-Sport", wäre doch immer- nennen. Beim so genannten medizinischen Qi Gong beispielsweise hin auch eine Möglichkeit … sitzen alle Teilnehmer der Gruppe, so dass RollstuhlfahrerInnen oder Gehbehinderte ohne Probleme teilnehmen können.


Reiner Krippner
Ehrenpräsident des BVS Bayern e.V.
Mein Thema „Behinderung und Sport" könnte auch lauten: „Sport In seiner Eigenschaft als Interessenvertretung sporttreibender Be- trotz Behinderung" oder „Behindertensport".
hinderter nimmt der DBS die Funktion als Fach- bzw. Spitzenver-band wahr. Gleichzeitig stellt der DBS den Dachverband für alle in In jedem Fall denke ich, wäre es sinnvoll, beide Begriffe kurz zu seinem Wirkungsbereich durchgeführten Sportarten dar, vergleich- defi nieren. Dabei möchte ich den Bereich Sport als körperliche bar dem Deutschen Sportbund (DSB) im Sport Nichtbehinderter. und geistige – auch Schach ist Sport – Aktivität bezeichnen.
Darüber hinaus fungiert der DBS als Nationales Paralympischen Komitee, vergleichbar dem Nationalen Olympischen Komitee, in- Der Umfang, die Qualität, die Quantität dieser Aktivität wird limi- dem er die Mannschaft zu den Paralympischen Spielen nominiert tiert von der Behinderung. Dabei ist der Begriff „Behinderung" eng und die organisatorischen Aufgaben, die mit dieser Teilnahme in verknüpft mit dem Begriff „Gesundheit". Gesundheit wird heute Zusammenhang stehen, wahrnimmt. Hierzu gehört auch, die Ver- nicht mehr nur als Abwesenheit von Krankheit defi niert. Ein sehr handlungen mit dem Innenministerium zu führen, das ja – wie bei viel breiteres Verständnis des Gesundheitsbegriffes, das körperli- den Nichtbehinderten – Mittel für die Teilnahme der Paralympics- ches, seelisches und soziales Wohlbefi nden einschließt, wird un- teilnehmer zur Verfügung stellt. ter Hinweis auf ökologische Probleme ergänzt durch die Frage nach individueller und gesellschaftlicher Verantwortung für die Schon durch die Namensgebung Deutscher Behinderten-Sport-Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit.
verband wird dokumentiert, dass der Verband nicht einen Zusam-menschluss von Menschen, die eine bestimmte Sportart betreiben In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „Gesundheitssport" (Fußball, Tennis, Rudern), darstellt, sondern vielmehr die Interes- kreiert. Dabei kommt es im Gesundheitssport darauf an, vorhan- sen einer bestimmten Personengruppe – eben der Behinderten – dene Gesundheit durch Sport zu festigen oder verlorengegangene vertritt. Behindertensport als Sportart oder Disziplin gibt es nicht. Gesundheit durch Übung, Training und Sport teilweise oder ganz Dies trifft in gleicher Weise nur noch auf den Deutschen Gehör- wieder zu gewinnen. Wir haben hier die klassische Zweiteilung losen-Sportverband zu. Allerdings mit der Einschränkung, dass im des Gesundheitssports in Prävention und Rehabilitation. Deutschen Gehörlosen-Sportverband nur Menschen mit dieser Behinderung aufgenommen werden.
Im Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS) und seinen Lan-desverbänden ging man bislang davon aus, dass die Durchfüh- Behinderte Menschen stellen keine homogene Gruppe dar, eben- rung des Präventionssportes in erster Linie Aufgabe der Sport- so unterschiedlich wie die Behinderungen selber sind deren Aus- vereine der Nichtbehinderten ist, während Rehabilitationssport prägungsgrade. Dabei können die Ursachen für die Behinderun-ureigenste Aufgabe des Behindertensports sei. Dies wird sich gen sehr vielfältig sein – sei es durch Vererbung, Geburt, Unfall möglicherweise in Zukunft durch eine geänderte Gesetzeslage – oder Krankheit. Im DBS sind Körperbehinderte (Behinderung des die Förderung des Rehabilitationssports wird fi nanziell zurückge- Nervensystems, Behinderungen im Bereich der Organe, Behinde- fahren, die des Präventionssports erweitert – ändern. Dies ist aber rung am Stütz- und Bewegungsapparat), Sinnesbehinderte (Blin- ein speziell deutsches Problem und soll hier nicht weiter vertieft de und Sehbehinderte), geistig Behinderte (geistige Behinderung, Lernbehinderung) und psychisch Behinderte (Psychosen, Neuro-sen und Verhaltensstörungen) organisiert. Behinderung und Sport – Sport trotz Behinderung – Behinderten-sport: Lassen Sie mich einige Ausführungen zur Struktur des Be- Die Struktur des DBS lässt sich mit geringen Abweichungen auf hindertensports in Deutschland machen. Im DBS als Dachverband die Landesverbände übertragen. Lassen Sie mich das am Beispiel sind 17 Landesverbände organisiert. Der DBS sieht seine Zustän- „Bayern" kurz skizzieren: Mitglied des BVS Bayern (als Dachver- digkeit in erster Linie in der Betreuung des Leistungssports – er ist band) kann jeder gemeinnützige Verein Bayerns werden, sofern zugleich Nationales Paralympischen Komitee –, im Bereich des sein Vereinszweck die Durchführung des Behinderten-, Versehr-Breiten- und Rehabilitationssports liegen die Zuständigkeiten eher ten- und Rehabilitationssports nach Maßgabe der gesetzlichen in den Landesverbänden. Höchstes Gremium des DBS ist der alle Bestimmungen und der Vereinbarungen mit Rehabilitations- vier Jahre stattfi ndende Verbandstag, zwischen den Verbandsta- trägern ist. Die Mitgliedschaft in einem zum BVS Bayern gehören- gen sind Entscheidungsgremien der Hauptvorstand (Mitglieder den Verein vermittelt die Zugehörigkeit der einzelnen Personen sind die Vorsitzenden bzw. Präsidenten der Landesverbände und zum BVS Bayern.
die Mitglieder des Präsidiums) und das Präsidium.
Der Behindertensport ist aus der absoluten Außenseiterrolle herausgetreten und befi ndet sich eher im oberen Drittel Innerhalb dieser Strukturen organisiert der Landesverband – in Vergleichbar muss ich im Bereich des Behindertensports prüfen, diesem Fall der BVS Bayern –, wie bereits erwähnt, in erster Linie inwieweit meine Behinderung die Ausübung bestimmter Sportar- Breiten- und Rehabilitationssport und, als „Zuarbeit" zum DBS, ten zulässt, um auch international Erfolg zu haben. Leistungssport.
Haben die Verantwortlichen des Behindertensports auf der ande- Dies ist allerdings nur möglich, wenn klare Vorgaben existieren. ren Seite eine berechtigte Handhabe in das Sporttreiben behin-Logischerweise hat deshalb der BVS Bayern ein Ausbildungssys- derter Hochleistungssportler einzugreifen? Ich glaube doch, näm- tem aufgebaut, in dem Kenntnisse und Fertigkeiten – die für die lich dort, wo durch das Sporttreiben eine vorhandene Behinderung ordnungsgemäße Durchführung von Übungsveranstaltungen im sich verschlimmern kann. Ich nenne hier nur ein Beispiel: Der wir-Bereich des Behindertensports erforderlich sind – vermittelt wer- belsäulengeschädigte amputierte Sportler, der meint Hochsprung den, wobei festzuhalten ist, dass eine einmal erworbene Qualifi ka- durchführen zu müssen und bei jedem Sprung seine Wirbelsäule tion nicht ständig weiter wirkt, sondern in regelmäßigen Abstän- weiter schädigt.
den (in der Regel drei Jahre) erneuert werden muss. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Übungsleiter und Betreuungsperso- Die Parallelen gehen weiter: Bestimmte Sportarten, z.B. Ski alpin nal ständig auf dem neuesten Stand der medizinischen und sport- oder nordisch, Bob oder Schlitten, Radfahren oder Bereiche der medizinischen Erkenntnisse sind. Dies ist insbesondere bei Be- Leichtathletik, können nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn hinderungen aus dem Bereich der inneren Medizin außerordent- „das Material stimmt".
lich wichtig. Dialysepatienten oder Patienten mit Coronarerkran-kungen oder Asthma, um nur einige zu nennen, brauchen speziell Ich verwende ungern den Begriff „Materialschlacht". Es ist der geschulte Übungsleiter und Betreuer, um zu verhindern, dass natürliche Wille und das Streben des Einzelnen, körperliche Fähig-Überbeanspruchung Schäden hervorruft. keiten gepaart mit optimal ausgerichteten Material einzusetzen und so zum Erfolg zu kommen. Nach Auffassung des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes sind Gehörlose nicht in den allgemeinen Behindertensport inte- Wir befi nden uns im Behindertensport in der gleichen Situation. grierbar. Gerade im Bereich der Herzsportgruppen soll dies auch Etwa ab den Paralympics in Seoul 1988 begann eine lebhafte Dis- dadurch verhindert werden, dass derartige Gruppenveranstaltun- kussion darüber, dass die so genannten „reichen Nationen", die gen nur dann förderungswürdig sind, wenn ein Arzt während der ihre Sportler mit Hightech-Prothesen ausrüsten konnten und kön- Übungsveranstaltung anwesend ist. nen, Sportler aus ärmeren Ländern, die das gleiche sportliche Potential haben, in die Bedeutungslosigkeit stürzen, weil einfach Behinderung und Sport – Hochleistungssport
die Ausstattung mit dem Material – das den Erfolg garantiert? – nicht möglich ist. Zum Glück hat sich diese Vision nicht bewahr- An dieser Stelle fällt mir der Übergang leicht, ein Problem anzu- heitet, so dass wir heute generell die Ihnen bekannten Bilder se- sprechen, das im Bereich des Hochleistungssports Behinderter hen von oberschenkel- oder unterschenkelamputierten Läufern von jeher zu kontroversen Diskussionen – auch innerhalb des Be- mit ihren Federbeinfüßen oder vergleichbare Prothesen, beispiels- hindertensports – geführt hat. weise in der Leichtathletik, beim Speerwurf oder Diskuswurf oder bei den Rollstuhlfahrern mit ihren speziell ausgerichteten Renn- Soll ein Behinderter Hochleistungssport betreiben, wo er doch rollstühlen.
durch seine Behinderung sowieso gehandicapt ist? Ich beantworte diese Frage in der Regel mit einer Gegenfrage: Warum wird diese Und eine weitere Parallele zum Bereich des Sports der Nichtbe- Frage und Diskussion im Bereich der Nichtbehinderten nicht ge- hinderten: Auch im Behindertensport – und das muss man unein- führt? Gewisse körperliche und geistige Fähigkeiten müssen hier geschränkt zugeben – ist Doping kein Fremdwort. Warum sollte wie da vorhanden sein, um im Bereich des Hochleistungssports sich der behinderte Sportler in seinem Willen zu siegen hier vom erfolgreich zu sein. So wird ein Mensch mit einer Körpergröße von nichtbehinderten unterscheiden. Allerdings, wenn im Bereich des 1,60 m im Bereich Basketball im wahrsten Sinne des Wortes „kein so genannten „Bio-Dopings" an die Grenze der extremen Gesund- Bein unter den Korb bringen" und dennoch kann ihn niemand auf- heitsgefährdung herangegangen wird, ist das eine Dimension, die halten Basketball zu spielen. Just for fun – nicht als Hochleis- aus dem Bereich des Sports der Nichtbehinderten so nicht be- Der DBS hat sich von jeher national und international den Anti- Erlauben Sie mir ein Schlüsselerlebnis zu erzählen: Nach den Para- dopingrichtlinien unterworfen. Bei spezifi schen Erkrankungen, die lympics 1992 in Barcelona fand in Madrid die erste Weltmeister- allerdings die Einnahme von Medikamenten erfordern, die Doping- schaft der geistig Behinderten unter dem Patronat von INAS-FID substanzen enthalten, können bei vorheriger Bekanntgabe dieser statt. Während in Barcelona das Stadion überquoll, vor der Medikamente, Ausnahmen zugelassen werden. Seit 2002 hat das Schwimmhalle stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen wer- IPC inzwischen einen eigenen Antidopingcode verabschiedet.
den mussten, die Paralympics eine Leistungsexplosion und eine Explosion des öffentlichen Interesses erfuhren, die vorher nicht Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem gekannt war, fanden die Weltmeisterschaften der geistig Behin- anschneiden, das immer wieder Anlass zu heftigen Diskussionen derten in Madrid absolut unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. gibt – die Frage der Zuordnung einzelner Behinderungen in Star- Keine Zuschauer, keine Berichterstattung – und ich füge hinzu – terfelder: Wie kann ich Leistungen, die Sportler mit unterschiedli- kein Interesse? Auch kein Interesse des Behindertensports die chen Behinderungen erbringen, vergleichbar machen, um so eine sporttreibenden Menschen mit geistiger Behinderung zu integrie- Vielzahl von Einzelsiegern zu vermeiden, damit gleichzeitig mehr ren? Integration ist ein wunderbares Schlagwort. Sollten wir dann Transparenz für den nichtbehinderten Zuschauer zu schaffen und vom Behindertensport nicht mit gutem Beispiel vorangehen und damit wiederum die Attraktivität der Wettkämpfe zu steigern. Wir eine Personengruppe – die sporttreibenden Menschen mit geisti- werden nicht umhin kommen zwischen „stehend", „sitzend" oder ger Behinderung – in unser Sporttreiben integrieren? Ich denke, in „sehend", „nichtsehend" zu unterscheiden. Dies ist ein weites vielen Fällen wäre das möglich. Natürlich nicht im Hochleistungs-Feld, das nur mit viel Verständnis der behinderten Sportler gelöst bereich. Die Freude und Unbekümmertheit, mit der Menschen mit werden kann. Im Wintersport beispielsweise hat man gute Ansätze geistiger Behinderung Sport treiben, erinnert mich an die Frühzeit geschaffen, die die Schwere der Behinderung, die bisher erbrach- des Behindertensports – damals Versehrtensport. Ich erinnere an ten Leistungen, das Streckenprofi l in ein Verhältnis bringen, da- das Schlagwort „Teilnahme ist wichtiger als Sieg". Hieran sollten durch unterschiedliche Startzeiten errechnet, die – wie gesagt – das wir uns – speziell im Bereich des Breitensports – zurückerinnern.
vorhandene Handicap berücksichtigen, das heißt, der am schwers-ten Behinderte startet zuerst, der am leichtesten Behinderte zu- Wenn wir von Integration sprechen, dann müssen wir auch ein letzt. Sieger ist der, der als erster ins Ziel kommt – im Bereich Ski Wort darüber verlieren wie der Behindertensport in den Sport der Nichtbehinderten integriert wird. Hier kann Integration auf vielfälti-ge Weise stattfi nden. Im Bereich des Rollstuhlsports dadurch, Im Abfahrtslauf ist das schon wieder nicht machbar. Bei einem dass Rollstuhlfahrer und Fußgänger gemeinsam tanzen, im Be-Hundertmeterlauf natürlich auch nicht. Wir werden also auf ab- reich Rollstuhl-Basketball, dass eine gewisse Anzahl Nichtbehin- sehbare Zeit viele Sieger, beispielsweise im Hundertmeterlauf, derter auch in Wettkampfmannschaften zugelassen sind, im Be-haben, auf der anderen Seite ist erstaunlich, dass die Öffentlich- reich Le sautre – das sind Menschen mit Behinderung von gerin- keit – die durch das Medium Fernsehen zumindest über Großer- gerem Ausmaß – dadurch, dass sie sich zwanglos in Sportgrup- eignisse, also Paralympics und Weltmeisterschaften unterrichtet pen von Sportlern ohne Behinderung einreihen und, wieder einen wird – dies verständnisvoll akzeptiert.
Schritt weitergegangen in Richtung Leistungssport dadurch, dass behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam trainieren. Ich möchte mich hier ausdrücklich für die Berichterstattung be- Die Zeiten, in denen Behindertenhochleistungssport aus der Hüfte danken und nicht in das allgemeine Wehklagen einstimmen. Ich geschossen durchgeführt werden konnte, sind längst Vergangen- denke, der Behindertensport ist aus der absoluten Außenseiterrol- heit. Harte Trainingseinheiten sind erforderlich, um insbesondere le herausgetreten und befi ndet sich eher im oberen Drittel der an der doch relativ dichten Spitze ein Wort mitreden zu können. Ist Medienberichterstattung. Wenngleich das kein Grund ist nicht es da verwunderlich, dass unsere behinderten Hochleistungs-ständig eine erhöhte Präsenz in den Medien zu fordern. sportler in Vereinen mit Nichtbehinderten trainieren. Das ist nicht nur in der Leichtathletik, im Schwimmen, sondern auch im Bereich Sie erinnern sich, dass zu den Schadensbildern, die der Behinder- Ski alpin und Ski nordisch fast die Regel. In vielen Olympiastütz- tensport betreut, auch geistig Behinderte zählen. In diesem Be- punkten trainieren behinderte und nichtbehinderte Sportler ge- reich treffen zwei Philosophien aufeinander, die – soweit ich das meinsam und gewinnen so Hochachtung vor den Leistungen der mir erlauben darf zu kommentieren – in naher Zukunft nicht zuein- behinderten Sportler, denn so hat Günther Belitz – ein oberschen- ander fi nden können. Auf der einen Seite das leistungssportorien- kelamputierter Hochspringer – einmal ausgeführt: „Nichtbehinder- tierte Konzept von INAS-FID, auf der anderen Seite das breiten- te Hochspringer wissen, wie schwer es ist mit einem Bein zu sportlich ausgelegte Sporttreiben von SOD.
springen, denn sie absolvieren einbeinige Trainingssprünge." Voraussetzung für das Sporttreiben eines Menschen mit geistiger Behinderung und Sport und Sponsoren
Behinderung ist im einen wie im anderen Fall der Umstand, dass er in der Lage ist, die Regeln der jeweiligen Sportart zu verstehen Schön wäre es, wenn ein gewisses Verständnis für den Behinder- und danach zu handeln. Wenn diese Fähigkeit nicht vorhanden ist, tensport auch bei der Industrie – sprich den potentiellen Sponso- sollte man nicht von einem sportlichen Wettkampf sprechen.
ren – entstehen würde. In Zeiten wirtschaftlicher Schräglage, wie Nicht behindert sein ist kein Verdienst, sondern eine Gnade.
wir sie derzeit erleben, sind diese gegen Null zurückgegangen. Für cherweise eingetretene Behinderungen weitestgehend beseitigt die Firmen stimmt der Kosten-Nutzen-Faktor nicht, soziales En- werden können. Etwas problematischer – durch die Möglichkeit gagement kann man sich nicht erlauben, also ist der Ausstieg aus bereits bei ungeborenen Kindern Behinderungen festzustellen dem Engagement vorprogrammiert. Der Behindertensport selbst und diese dann abzutreiben kommen keine behinderten Kinder ist nicht in der Lage, aus diesem Teufelskreis – kein Zuschauer, mehr auf die Welt, und schlimmstenfalls – werden in ferner Zu- keine Medien, keine Sponsoren – herauszukommen. Hier muss kunft gentechnisch veränderte künstliche Besamungen Kinder man sagen, dass die Behinderung die Entwicklung des Behinder- nach Wunsch, natürlich gesund, ermöglichen. Hiergegen läuft al- tensports behindert. Schade – doch ich sage jetzt nicht: Nicht zu lerdings auch die Politik zunächst noch Sturm. Als „Missachtung ändern. Es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfi nden, wobei der Schöpfung" hat Bayerns Sozial- und Familienministerin Christa ich allein mit dem Orakel: „Du kannst morgen schon behindert Stewens das erstmalige Klonen menschlicher Embryonen durch sein" – erlauben Sie mir salopp zu sagen: Keine Katze hinter dem südkoreanische Wissenschaftler bezeichnet. Zitat: „Damit ist die Ofen hervorlocke. Auch das vielverwendete Zitat von Bundesprä- Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit des menschlichen Lebens sident von Weizsäcker „Nicht behindert sein ist kein Verdienst, nicht mehr geschützt – mit unabsehbaren Folgen für die Grund-sondern eine Gnade" bringt uns der Lösung nicht näher. Inwieweit feste unseres Menschenbildes." die derzeitige wirtschaftliche und soziale Situation in Deutschland das Aufkeimen eines Wirgefühles ermöglicht, vermag ich nicht zu Ich hoffe und wünsche für uns alle, und vor allem für unsere Kin- beurteilen. Ich denke aber, in diese Richtung müsste die Entwick- der und Enkel, dass die Wissenschaft sich nicht anmaßt, die Rolle lung laufen. Denn der größte Lohn für den Künstler (Sportler) ist unseres Schöpfers zu übernehmen.
der Applaus. Der bleibt aber aus, wenn der Sport von Menschen mit Behinderung unter weitestgehendem Ausschluss der Öffent- Behinderung und Sport und Zukunft
lichkeit stattfi ndet – mit Ausnahme der Paralympics.
Immer mehr Menschen in der Bundesrepublik Deutschland wer- In Deutschland leben ca. acht Millionen Behinderte, davon sind den aus unterschiedlichen Motiven freizeitsportlich aktiv – Das etwa 400.000 im DBS organisiert und davon wiederum betreiben Stichwort lautet: Fitness-Zentren. Allerdings beschränkt sich die- etwa 800 Hochleistungssport. Die Durchdringung des Behinder- se Entwicklung vorwiegend auf Angehörige der sozialen Mittel- tensports unter den Behinderten ist also verschwindend gering. schicht. Diese Veränderungen im Gesundheitsbewusstsein zeigen Dabei kann der Sport diese berühmte Katalysatorfunktion „Hilfe sich in weitaus geringerem Ausmaß in den unteren Sozialschich- zur Selbsthilfe" hervorragend ausfüllen. ten. Dem Wissen um die ungünstigen Einfl üsse bestimmter Fakto-ren, z.B. Rauchen und Fehlernährung, auf die Gesundheit steht „Das beste, was in meinem Leben passieren konnte, war meine eine deutliche risikoreiche Lebensweise bei großen Teilen der Be- Amputation". Dieser auf den ersten Blick befremdliche Ausspruch völkerung gegenüber. Daraus ergeben sich folgende prognosti- stammt von Dennis Oehler, einem Topathleten der vergangenen zierbare Entwicklungen: Ich zitiere aus einem Vortrag von Horst Paralympics. Er könnte auch über meinem Leben gestanden ha- Mareès „Sport und Gesundheit" anlässlich des Kongresses des ben. Meine Amputation hat meinem Leben eine neue Richtung DSB „Menschen im Sport 2000":gegeben. Der Sport, der bislang eine nicht so ausschlaggebende • Weitere Abnahme der Leistungsfähigkeit, der Skelettmuskula- Rolle spielte, wurde plötzlich zum Zentrum, nicht nur auf der akti- tur und der sie versorgenden Transportsysteme „Lunge" und ven Seite, nein – auch im ehrenamtlichen Bereich. Der Problem- „Herz-Kreislauf" kreis Ehrenamt ist aber nicht behindertensportspezifi sch, deswe- • Zunahme der Gefahr von Veränderungen im passiven Teil des gen möchte ich nicht näher darauf eingehen. Nur soviel, auch der Skelettapparates als Folge von Übergewicht und reduzierter Behindertensport – wie so viele andere Organisationen im sozia- Belastbarkeit der statisch tätigen Muskulatur (Stützmotorik) len und kirchlichen Bereich – kommt ohne das Ehrenamt nicht • Zunahme von Grenzbelastungen durch Alltagssituationen mit aus. Unabhängig von meinem Beruf als Vizepräsident des Sozial- ansteigendem potentiellen krankmachenden Resultat gerichts Bayreuth hat mich mein ehrenamtliches Engagement im • Zunehmende psychische Überbelastung im berufl ichen und Sport in die höchsten Ämter hinaufgetragen bis hin zum 1. Vize- Freizeitbereich mit sich anschließenden Konfl ikten auf psycho- präsidenten des Paralympischen Komitees. Behinderung und Sport und Ehrenamt
Holen Sie sich bitte noch einmal die Zahl acht Millionen Behinder-te, davon 400.000 organisierte im Sport, ins Gedächtnis zurück. Einer Aufgabe, der wir uns seit Jahrzehnten stellen, ist der Kinder- Schließen Sie diese Zahlen in die von Horst Mareès prognostizierte und Jugendsport. Leider stagniert – zumindest in Bayern – die Entwicklung mit ein, dann wird es in Zukunft noch mehr Behinderte Entwicklung in diesem Bereich. Bei der Ursachenerforschung geben, die mich zu einem etwas sarkastischen Ausblick veran-könnten wir sagen: Hurra – im Bereich der Unfallverhütung mit lassen: Unter diesen Voraussetzungen ist mir nicht bange, dass und bei Kindern wurde so viel getan, dass es kaum noch behin- auch in Zukunft das Thema „Behinderung und Sport" auf der derte Unfallopfer gibt, im Bereich der medizinischen Versorgung Tagesordnung bleiben wird, ja wahrscheinlich an Bedeutung ge- und Betreuung wurden derartige Fortschritte erzielt, dass mögli- winnen wird.


Lucy Faulkner
Gleichstellungsbeauftragte für Ethik und Sport,
Englischer Fußballverband

Eine bessere Zukunft aufbauen –
die Vision des Englischen Fußballverbands

Unsere Vision ist es, das Potential des Fußballs für den Aufbau Ich freue mich sehr, heute hier sprechen zu dürfen und die Frage zu einer besseren Zukunft zu nutzen und wir sehen klar unsere Ver- stellen, ob Sport ein Weg zur Integration von Schwulen, Lesben, pfl ichtung, alle Formen von Diskriminierung oder Belästigung zu Bisexuellen, Transsexuellen und Menschen mit Behinderungen in begegnen und die Gleichberechtigung aller Menschen im Fußball die Gesellschaft sein kann? sicherzustellen. Als Gleichstellungsbeauftragte befasse ich mich mit allen Formen der Diskriminierung und Belästigung sowie mit Nun, das ist eine interessante Frage und ich möchte mit einer der Förderung von Gleichberechtigung. Statistik und einem Zitat beginnen:• 59% der europäischen BürgerInnen glauben, dass Sport eine Möglichkeit bietet, sämtliche Formen der Diskriminierung • Fairness und Respekt für alle Menschen entgegenzuwirken (Quelle: Eurobarometer) • Chancengleichheit und gleiche Zugangsmöglichkeiten für alle • Und um Nelson Mandela zu zitieren: • Annerkennung, dass Ungleichheiten existieren und diese an- „Sport, und insbesondere Fußball, spielt eine wichtige Rolle im Leben der Menschen: Sport hat die Macht, die Welt zu verändern, die Macht zu inspirieren, die Macht, die Menschen Zusammengefasst heißt dies "Fußball für Alle". zu vereinen auf einer Art, wie fast nichts anderes. Es spricht Welche spezifi schen Gruppen sind damit gemeint? die Menschen in einer Sprache an, die sie verstehen. Sport • Frauen und Mädchen kann Hoffnung schaffen, wo vorher es nur Verzweifl ung gab. • Behinderte Menschen Es durchbricht Rassenbarrieren. Es belächelt jede Art der • Ethnische Minderheiten Diskriminierung . verbreitet Hoffnung durch die Welt." • Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle Ich will nun versuchen, Ihnen zu zeigen, was der Englische Fußball- Darüber hinaus geht es um die Integration benachteiligter Gruppen verband zur Unterstützung der Integration von Schwulen, Lesben, • Menschen im ländlichen Raum Bi- und Transsexuellen sowie Behinderten in die Gesellschaft • Einkommensschwachemacht.
• Alleinerziehende• Innenstadtviertel Als Dachverband ist der Fußballverband für eine Vielzahl von Ak- • Sozial benachteiligte Menschen tivitäten verantwortlich – von der Organisation des englischen • Kombinationen von benachteiligenden FaktorenNationalteams bis zur Ausbildung der neuen Trainergeneration. Darüber hinaus bietet der Fußballverband jungen Menschen von Gemeint sind alle Formen von Diskriminierung nach klein auf die Gelegenheit Fußball zu spielen. • Alter• Geschlecht Wegen der großen Anzahl von Menschen, die in England am Fuß- ball teilnimmt, könnte man sagen, dass Fußball in vielerlei Hinsicht • Ethnische Herkunft die gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegelt. Wenn dem so • Hautfarbewäre, dann wäre es logisch, dass die gleichen Einstellungen, Vor- • Sexuelle Orientierung urteile und Diskriminierungen, die in der Gesellschaft vorhanden sind, auch im Fußball vorhanden wären. Der Englische Fußballver- Des weiteren geht es auch um die Rechtschaffenheit im Fußball. band ist der Ansicht, dass sich die Gesellschaft tatsächlich im Wie arbeiten wir, sind wir den europäischen Qualitätsstandards ge-Fußball widerspiegelt und daher sind wir auch der Meinung, dass wachsen, was sind die herrschenden Prinzipien und Sitten, gegen wir die Pfl icht haben, das Potential des Fußballs zum Aufbau einer die wir ankämpfen? Sie sehen, es ist ein sehr weitreichendes Unter- besseren Zukunft zu nutzen. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Ge- fangen. Seit einigen Jahren arbeiten wir an der Integration von Men- sinnung der Gesellschaft zu verändern, aber da wir die Gesell- schen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen und hatten gro- schaft widerspiegeln und an einem Sport teilhaben, der einen ßen Erfolg mit der Entwicklung des Fußballs für Gruppen, die tra-beachtlichen Einfl uss auf die Menschen hat, und auch Millionen ditionell nicht im Fußball vertreten waren. Wir hatten großen Erfolg von Menschen involviert, haben wir eine moralische Pfl icht, zur mit unserer Arbeit im Mädchen- und Frauenfußball. Dies ist heute Änderung der Gesinnung beizusteuern und bei der Bewältigung der größte Frauenteamsport in England. Ferner hatten wir großen einiger gesellschaftlichen Probleme mit anzupacken. Ich werde Erfolg mit der Integration Behinderter und lernschwachen Sport-mit meiner heutigen Präsentation versuchen zu erklären, warum.
lerInnen. Beispielsweise ist unser Lernschwäche-Team Weltmeister.
Aber wir sind nicht selbstzufrieden – wir wissen, es gibt noch eine Ausbildung und Schulung
Menge zu tun – z.B. das Fehlen von Minderheiten in unseren Vor- • Workshop „Fußball für Alle" ständen, Räten und Komitees – die Mehrheit dieser bestehen aus • Schulung von TrainerInnen, ManagerInnen und weißen Männern mittleren Alters und es mangelt an asiatischen SchiedsrichterInnen Spielern, die es bis zur höchsten Ebene des Sports schaffen. Wir • Integration der Arbeit in einen breiteren Kontext, arbeiten daran sicherzustellen, dass alle behinderten Menschen z.B. Jugendschutz die Möglichkeit haben, am Fußballsport teilzunehmen und dort ihr • Fußball Masterplan Potential erreichen können. Und das Thema, warum es im engli- • Behindertenspezifi sche Schulungen schen Profi -Fußball keine offen schwulen Fußballer gibt? Vielleicht gibt es ja keine? Spielreglen
• Überprüfung von Prinzipien im Fußball
Kleine Zeitreise: Der Englische Fußballverband entschied 2002, • Sichtbarmachen von Mißbrauch und Diskriminierungdass wir eine ganzheitliche Strategie benötigten, um die Bedürf- • Einrichtung kostenlose Hotlines nisse der gesamten Gesellschaft zu berücksichtigen. Wie schon • E-Mail Meldung gesagt, wir haben viel erreicht, aber das waren jeweils Einzelas- • Prüfung von Verfahrensweisen pekte. Es mangelte an Koordination und war verschwenderisch in Bezug auf Resourcen. Zusätzlich hatten wir keine klare Vision, wo Evaluierung und Monitoring
wir hin wollten und durch die Vielzahl der involvierten Partner – • Kontinuierliche, jährliche Überprüfung vom Profi sport bis zum Amateurfußball, brauchten wir eine ge- • Ziele festlegen meinsame Klammer. Eine umfassende Strategie zu haben, im • Qualitätskontrolle
Gegenteil zur Herausgreifung von Frauen und Mädchen oder Be-
hinderten, bedeutete die reelle Chance, dass Schwule, Lesben, Wesentliche Ergebnisse aus unserer Gleichstellungsarbeit
Bi- und Transsexuelle in dieser Strategie eingeschlossen sein wür-
den, nicht ganz so explizit, wie wir es gerne gehabt hätten, aber
Beratung – diese ist ganz entscheidend. Zu ermitteln welche
dennoch in der Abteilung für Geschlechterfragen, so dass wir nun Organisationen und Individuen wir hinzuziehen müssen ist die Möglichkeit haben, die gesellschaftlichen Bedürfnisse detail- ebenso bedeutsam wie zu überprüfen, ob die berücksichtigten lierter zu betrachten. Eine große Anhörung der einzelnen Gruppen Sichtweisen und Meinungen eine möglichst vielfältige Auswahl wurde unternommen, die schmerzhaft war – wir mussten uns darstellen und eine Vielzahl an Menschen mit einschließt. Gruppen anhören, die der Meinung waren, sie würden im Fußball ausgeschlossen werden, dass Fußball nichts für sie hätte und nie Führung – durch die Aktionen des Englischen Fußballverbands
bereit wäre, ihnen zuzuhören. Langsam fangen wir an, das Ver- zeigen, dass wir diese Arbeit ernst nehmen und sicherstellen, trauen dieser Gemeinschaften zu gewinnen und Gruppen, die dass die regionalen Fußballverbände in England diese nationale ausgegrenzt oder an den Rand gestellt waren, zu integrieren.
Strategie ebenso mittragen und vertreten. Unsere Arbeit „Fußball für Alle" kann in einigen Schlüsselbegriffen Verantwortung – der Fußballverband geht davon aus, dass es
zusammengefasst werden besser ist, selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen, das • Sichtbarmachung Mainstreaming im Fußball voranzutreiben als dies den einzelnen • Teilnahme- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Organisationen zu überlassen. Der Fußballverband hat dies immer • Aufklärung und Training so gemacht und wird dies auch in Zukunft weiterhin tun. • Entwicklung von Spielregeln• Evaluierung und Monitoring Geduld haben – sich Zeit nehmen für die Planung ist besser als
zu schnell zu viel zu wollen.
Ich möchte Ihnen nun einen Einblick in unsere Projekte mit Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen sowie Menschen mit Wir behaupten nicht, alles getan zu haben und auch nicht, alles Behinderungen geben. Wir hoffen natürlich, dass diese Projekte richtig gemacht zu haben. Aber dies kann keine große Organisation auch auf die Gesellschaft abfärben.
von sich behaupten. Aber wir nehmen unsere Aufgabe als Hüter über den Fußball ernst und wenn dies gleichzeitig bedeutet, Men- schen in unserer Gesellschaft zu unterstützen, dann um so besser. Der Englische Fußballverband ist höchsten Standards bei der Beobachtung des Fußballs verpfl ichtet. Und wir streben nach den • Die FA.com Geschichten bestmöglichen Verfahren bei der Weiterentwicklung dieses Sports.
• Konferenzen• Runde Tische mit Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen Alles was wir tun folgt einer einheitlichen Strategie. Wir haben • Informationsveranstaltungen für Vereinsvorstände und Räte den Bereich Ethik und Sport nicht eingerichtet, um ihn im Regal • Presse- und Öffentlichkeitskampagnen verstauben zu lassen. Er ist etwas, woran wir glauben und etwas, • Websiteprüfung worüber wir stolz sind, es fortzusetzen.
• Leicht zugängliche Publikationen Teilnahmemöglichkeiten
• Entwicklung von Organisationen an der Basis
• Unterstützungskomitees
• Sechs nationale Behinderten-Teams in England
• Regionale und lokale Zentren für behinderte Menschen
Interview mit Gerd Schönfelder
Vierfacher Goldmedail en-Gewinner bei den Paralympics im alpinen Skisport
Herr Schönfelder, Sie sind mit vier Goldmedaillen bei den letz-
Finden Sie die Integration von Menschen mit Behinderungen
ten Paralympics in Salt Lake City einer der erfolgreichsten
in die EuroGames richtig und sinnvoll?
Männer im deutschen Behindertensport. Schildern Sie uns
Ja natürlich! In meinen Augen sollte niemand von irgendeiner Ver- doch bitte Ihren Weg bis hierher.
anstaltung ausgeschlossen werden. Es ist gut, Wettkämpfe auch Vor meinem Unfall war ich Mitglied im Bayerischen Ski-Team. Bei für behinderte Menschen zu organisieren. Ich hoffe, dass in Zu- einem Zugunglück verlor ich einen Arm. Nach endlosen schweren kunft mehr Behinderte bei den EuroGames teilnehmen. Operationen und mit der Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde kam ich zum Skisport zurück. Wenig später lud mich der Wie erklären Sie sich, dass trotz immensen Kommunikations-
Cheftrainer des deutschen Behinderten Skiteams zum Trainings- aufwands nur 1% der TeilnehmerInnen behindert sind?
lager ein und nach harter Arbeit und viel Training gewann ich bei Wenn Sie sich die Statistik anschauen, sehen Sie, dass 10% der den Paralympics in Salt Lake City vier Goldmedaillen. Bevölkerung behindert sind und davon betreiben vielleicht 10% aktiv Sport. Darüber hinaus fi nden die EuroGames mitten in der Herr Krippner hat das Thema Materialschlacht im Hochleis-
Sommer-Wettkampfsaison statt – damit sind die meisten mit ihren tungssport angesprochen. Wie sehen Sie das als aktiver
eigenen Wettkämpfen beschäftigt und haben wenig freie Zeit für andere Veranstaltungen. Natürlich kannst du nicht wirklich erfolgreich sein ohne gutes Ma-terial – dem stimme ich vollkommen zu. Glücklicherweise habe ich Ist Homosexualität heute im Sport noch ein wirkliches Pro-
gute Sponsoren, die mich mit sehr gutem Material versorgen. Ich blem oder sind die Vorurteile – Ihrer Meinung nach – weitest-
denke, in anderen Behindertensportarten sieht die Situation viel gehend ausgeräumt? Oder ist „die Welt" einfach noch nicht
schlechter aus – nehmen Sie zum Beispiel meine Teamkollegen, reif, um gemeinsam – völlig ohne Schranken – Sport zu trei-
die mit Monoski fahren – dies ist wirklich eine High-Tech-Ausrüs- tung, die für jede Person individuell hergestellt werden muss. Eigentlich weiß ich das nicht so genau. Ich trainiere ja hauptsäch-lich mit Männern und weiß daher über die Situation bei Frauen gar Das heißt Sponsoren, die entsprechendes Material zur Verfü-
nicht Bescheid. Ich weiß von keinem, dass er schwul wäre, aber gung stellen, sind für den Erfolg unabdingbar?
hätte damit auch kein Problem. Wenn du nicht sehr reich bist, brauchst du jemanden, der dir das Material zur Verfügung stellt. Ich persönlich bin in einer sehr guten Was wäre Ihrer Meinung nach der nächste Schritt? Haben wir
Situation. Ich habe ein paar Sponsoren, die mir das Material zur bald große, bunte und komplett integrative Sportveranstaltun-
Verfügung stellen und andere, die mich fi nanziell unterstützen. gen oder braucht jede Gruppierung eigene Veranstaltungen?
Wie ich vorher schon gesagt habe, die Idee ist sehr gut, aber im
Sie reisen die gesamte Saison zu verschiedenen Wettkämp-
Spitzensport ist dies logistisch wahrscheinlich nicht realisierbar. fen, verbringen Ihre Sommer in Trainingslagern. Bekommen
Sie dabei Kontakt zu nichtbehinderten Topathleten?
Ich treffe nichtbehinderte Athleten häufi g während des Trainings
oder bei Wettkämpfen. Wir verbringen viel Zeit gemeinsam in Trai-
ningslagern, manchmal trainieren wir auch zusammen. Wir lernen
eine Menge voneinander und unsere Trainer tauschen sich auch
aus und besprechen verschiedene Trainingsmethoden. Ich habe
ein paar sehr gute Freunde aus ganz verschiedenen Teams.
Wäre es Ihnen lieber, wenn die Olympiade und die Paralympics
gleichzeitig stattfi nden würden?
Ich denke, das wäre nicht wirklich möglich, da damit zu viele Men-
schen zur gleichen Zeit am gleichen Ort wären. Es scheint mir
schwierig zu sein, so eine große Veranstaltung zu organisieren.
Und es bestünde die Gefahr, dass einige wenige Wettkämpfe sehr
viel Aufmerksamkeit bekämen und viele Zuschauer hätten und an-
dere völlig unbeachtet blieben. Ich denke es ist gut, so wie es ist.


EGLSF – European Gay and Lesbian Sport Federation
Die EGLSF wurde 1989 von mehreren europäischen Sport- Eine zentrale Aufgabe der EGLSF ist die Unterstützung und Or- vereinen für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuel e ge- ganisation der EuroGames (gemeinsam mit der jeweiligen Aus- richterstadt). Die EuroGames sind die Europameisterschaften für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuel e. Die 10. Euro- Das Hauptanliegen der EGLSF ist der Abbau von Diskriminierung Games werden vom 16. bis 19. Juni 2005 in Utrecht stattfi nden, im Sport auf Grund sexuel er Orientierung. Die EGLSF fördert die nach Den Haag (1992 und 1993), Frankfurt (1995), Berlin (1996), Integration von Homosexuel en im Sport, unterstützt Schwule, Paris (1997), Zürich (2000), Hannover (2001), Kopenhagen (2003) Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle in ihrem Coming-out und und München (2004). fördert die Steigerung des Selbstbewussteins dieser Menschen im Sport. Am ersten Märzwochenende fi ndet traditionell die Jahresver-sammlung aller Mitgliedsvereine der EGLSF statt. Hier werden Darüber hinaus wird der Informationsfl uss zwischen den Sport- alle wesentlichen Entscheidungen über die zukünftige Ausrich- vereinen gefördert. Sportvereine werden dabei unterstützt, sich tung der Arbeit der EGLSF getroffen. Im Jahr 2005 fi ndet die zu vernetzen, Turniere koordiniert und neuen Sportgruppen bei Jahresversammlung in Barcelona statt. Der Vorstand der EGLSF der Gründung geholfen. besteht aus mindestens drei und höchstens acht Personen, die auf der Jahresversammlung von den Delegierten der Mitglieds- Die EGLSF steht al en Sportorganisationen offen, unabhängig vereine für eine Periode von zwei Jahren gewählt werden. von der sexuel en Orientierung ihrer Mitglieder. Derzeit sind in der EGLSF mehr als 10.000 Menschen aus rund 100 Sportvereinen Die EGLSF hat Beraterstatus im Europarat und ist mit den unter- vernetzt. Al e Mitgliedsvereine der EGLSF sind autonom. Die schiedlichsten Organisationen auf regionaler, nationaler und in-EGLSF versteht sich als Serviceeinrichtung und übernimmt eine ternationaler Ebene vernetzt, um durch Zusammenarbeit und koordinierende Funktion. Synergieeffekte ihre Ziele zu erreichen. EGLSF
(c/o NCS) Meeuwenlaan 41
1021 HS Amsterdam
Niederlande


Ergebnisse der Workshops
Während der Mittagspause der Konferenz wurde deutlich, dass Es wurde sehr offensichtlich, dass es hilfreich und bereichernd alle TeilnehmerInnen der Konferenz an beiden Workshopthemen ist, Erfahrungen untereinander auszutauschen, Energien zu bün- gleichermaßen interessiert sind. Daher wurden die beiden Work- deln und einfach miteinander zu reden. Die Vernetzung zwischen shops zusammengelegt. Der Schwerpunkt in diesem Workshop den einzelnen Gruppen gibt es bislang noch nicht. Diese Konfe- lag auf den Inhalten des Workshop I, insbesondere in der Präsen- renz ist ein erster Anfang der Vernetzung und des gegenseitigen tation der Studie zur Situation schwullesbischer Jugendlicher Kennenlernens. Der Vertreter des DBS informierte über sein Be-(„Doppelt anders? Zur Lebenssituation junger Lesben, Schwuler streben, spezielle Sportgruppen für Schwule und Lesben mit und Bisexueller mit Behinderung" von Silke Rudolph.). Dieser Behinderung zu errichten. Auf Grund fehlender Informationen wurde mit den Inhalten von Workshop II ergänzt.
scheiterte dieser Versuch, wird aber in Zukunft erneut initiiert werden. Damit war ein Schwerpunkt des Workshops die Lebenssituation junger Lesben, Schwuler und Bisexueller mit Behinderungen. Die Es wurde deutlich, dass nichtbehinderte Schwule und Lesben Studie von Silke Rudolph wurde zwischen 1999 und 2002 in Ber- wenig über die Bedürfnisse von Behinderten wissen sowie Be- lin durchgeführt. Dorothee Karle präsentierte die Ergebnisse und hindertenorganisationen wenig über Homosexualität. Daher ist Verena Löhner (TU München) leitete die Diskussion. Die Ergeb- den einzelnen Gruppen auch nicht bewusst, dass sie teilweise nisse der Studie wurden durch Erfahrungen der TeilnehmerInnen mit ähnlichen Problemen in der Gesellschaft konfrontiert sind. des Workshops ergänzt. Die Vision „Brücken bauen" dieser ersten Konferenz über Homo- Es hat sich gezeigt, dass die Anliegen der Menschen mit einer sexualität und Behinderung im Sport erwachte während dieser Behinderung sich jener von Homo- und Bisexuellen sehr ähneln. Nachmittagssitzung zum Leben. Erfahrungen wurden geteilt, Nicht gesehen werden, nicht anerkannt werden und zu bestimm- Kontakte geknüpft und zukünftige Kooperationen angeregt. ten Veranstaltungen nicht eingeladen oder willkommen zu sein, sind Probleme mit denen beide Gruppen Erfahrungen machen. Am Ende einigten sich die Teilnehmer auf zwei Hauptaussagen, Beide erleben Situationen, in denen Menschen aus anderen um ihre Ergebnisse zu beschreiben: Gruppen nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sol ten. Ge-meinsam besteht die Notwendigkeit sich der Welt zu öffnen und Mobilität ist für Menschen mit Behinderung, Sichtbarkeit ist
die „restliche Welt" über ihre Anwesenheit zu informieren.
für die schwullesbische Community am wesentlichsten.
„Doppelt anders? Zur Lebenssituation junger Lesben, Schwuler und
Bisexueller mit Behinderung"

Qualitative Studie auf der Basis von zwölf Interviews durchgeführt von Silke Rudolph Ergebnisse
• Das Coming-out fi ndet zumeist mit einigen Jahren Verzöge- • Soziale Kontakte wurden al gemein als nicht zufriedenstel end rung statt.
• Die meisten Befragten erlebten negative Reaktionen des • Längere Partnerschaften erschienen den meisten Befragten näheren sozialen Umfelds. Als besonders verletzend wurde auf Grund der Behinderung als unerreichbar. Bei Jungen sind die Diskriminierung durch die eigenen Eltern empfunden.
One-Night-Stands möglich, bei Mädchen auch diese eher • Jungen erfuhren insgesamt seltener Unterstützung, Mädchen nicht möglich. wie Jungen nahmen jedoch Beratung in Anspruch und • Das Interesse von nichtbehinderten Lesben ist eher freund- suchten den Kontakt zur Szene.
schaftlicher Natur.
• Al e wünschen sich Unterstützung beim Coming-out. Hier • In Partnerschaften erfuhren Mädchen wie Jungen ausgenutzt geht es vor al em um Beratung, aber auch um Kontakte zu und nicht akzeptiert zu werden. Schwulen und Lesben zur Klärung der sexuel en Identität und • Gefragt nach dem sonstiges Befi nden, antworteten nahezu zur Entwicklung von Gemeinschaftsgefühl. alle Befragten, dass Auseinandersetzungen und Enttäuschun- • Die Behinderung wirkte sich für fast al e auf das Coming-out gen eine große Rol e im Leben spielen. Diese führen zu hohen ungünstig aus. Darüber hinaus fürchteten sie sich auch vor psychischen Belastungen und Frustrationen, die auch zu weiteren Belastungen.
Suizidgedanken bzw. -versuchen geführt haben.
• Im Gegensatz dazu hat das Coming-out keinen Einfl uss auf die Behinderung. Diskriminierungs-, Ausgrenzungs- und Akzeptanz-
• Die an der Schule angebotenen Aufklärungsinhalte wurden als zu spät, zu sachlich und nicht ansprechend bewertet. Zudem wurde Sexualität immer mit Heterosexualität gleich- • Insgesamt empfi nden fast alle Befragten Diskriminierung gesetzt und Homosexualität nicht erwähnt.
und Ausgrenzung sowie wenig Akzeptant auf Grund ihrer • Die Fremdwahrnehmung von Sexualität wird dominiert durch Behinderung.
die Ansicht, dass Menschen mit Behinderung keine Sexualität • Fast al e Befragten erfuhren Diskriminierung auf Grund ihrer und kein Bedürfnis nach Sexualität haben.
Homo- bzw. Bisexualität. • Die eigene Sexualität wird von den Befragten jedoch als eher • Diskriminierungen werden im Arbeitsleben aber auch von befriedigend erlebt, wobei Selbstbestimmung und offener Behinderten FreundInnen erlebt. „Lesbischsein schafft einen Umgang mit der eigenen Sexualität bedeutend sind.
neuen Unterschied, sie ist nicht mehr gleiche unter gleichen".
• In der Szene und mit anderen Homo- und Bisexuel en erfuhren die meisten befragten Männer Verachtung und Respektlosigkeit durch schwule Männer. Die befragten Frauen erfuhren sowohl Akzeptanz als auch Nicht-Akzeptanz durch lesbische Frauen.
• Die Erfahrungen mit al gemeinen Vorurteilen von Menschen ohne Behinderung waren durchweg negativ. Körperliche Behinderungen werden häufi g mit geistigen Behinderungen gleichgesetzt.
Schlussfolgerungen und Konsequenzen für die Praxis

Die Verantwortung gegenüber jungen Schwulen, Lesben und Bi-
als Homosexuelle. Das Fehlen von Unterstützung kann zu hoher sexuellen mit Behinderung liegt bei jedem einzelnen Menschen. psychischer Belastung führen. Sensibilität und Engagement sind Insbesondere die Schule, verschiedene Einrichtungen für Men- hier notwendig, da Behinderte nicht per se hilfebedürftig sind. Es schen mit Behinderung sowie Jugend- und Behindertenarbeit als darf keine Stigmatisierung stattfi nden, da auch bei behinderten auch nichtbehinderte Schwule, Lesben und Bisexuelle sind hier Schwulen, Lesben und Bisexuel en Unterstützungsbedarf häufi g angesprochen. Bei jungen behinderten Lesben, Schwulen und nur vorübergehend besteht. Bisexuellen besteht Unterstützungsbedarf als Behinderte und


Integration von Menschen mit Behinderung in die EuroGames 2004
lesbischen Veranstaltung teilzunehmen, gleichzeitig sollten mit unseren Marketingmaßnahmen jedoch auch heterosexuelle Behinderte angesprochen werden. Daher richteten sich unsere Marketingmaßnahmen im Behindertenbereich an alle behinderten SportlerInnen. RollstuhltänzerInnnen des USC München Behinderte SportlerInnen sind vornehmlich in den Behinderten- bei der Eröffnungsfeier sportverbänden organisiert. Die Zusammenarbeit mit dem Bayeri- der EuroGames 2004 schen Versehrtensportverband (BVS) hat es ermöglicht, in den in München Aussendungen des BVS Informationsmaterial zu den EuroGames beizulegen, um so behinderte SportlerInnen auf die EuroGames aufmerksam zu machen. Darüber hinaus wurde in den Zeitschrif- ten des BVS Anzeigen geschaltet sowie Artikel veröffentlicht, in denen auf die EuroGames aufmerksam gemacht wurde. In allen Bei den EuroGames handelt es sich um eine europäische Breiten- Marketingmaßnahmen wurde auf die Möglichkeit der Teilnahme sportveranstaltung mit vorwiegend schwullesbischem Publikum. behinderter SportlerInnen hingewiesen. Auch in der Registrierungs- Die Veranstaltung existiert seit 1992 und fi ndet nahezu jährlich in broschüre werden behinderte SportlerInnen bereits explizit einge- unterschiedlichen Städten Europas statt. Die Spiele in München laden, an den Spielen teilzunehmen. Bei allen Sportangeboten im Juli 2004 waren mit 5.000 TeilnehmerInnen in 26 Sportarten die steht die Möglichkeit der Teilnahme explizit dabei. größten Spiele, die bisher stattgefunden haben. Erstmals in der Geschichte wurde die Integration behinderter SportlerInnen aktiv 1.3. Interne Schulungen zum Thema Behindertenintegration
beworben und unterstützt. Ziel der EuroGames war es, behinderte SportlerInnen ins Sport- Neben dem sportlichen Gedanken haben die EuroGames auch und Kulturprogramm zu integrieren. Vor allem im Sportbereich war immer eine politische Dimension. Sie leisten gezielt einen Beitrag es notwendig, die OrganisatorInnen der einzelnen Sportarten da- gegen Diskriminierung und Ausgrenzung gesellschaftlicher Min- rauf vorzubereiten, wie diese Integration funktionieren kann. In derheiten im Sport. Durch die Integration behinderter Menschen mehreren Veranstaltungen wurde das Thema ausführlich behan- wurde bei den EuroGames in München nicht nur die Diskriminie- delt. Die fachliche Durchführung dieser Abende lag bei unseren rung von Schwulen und Lesben im Sport zum Thema gemacht BehindertenkoordinatorInnen und beim BVS. sondern auch das Themenfeld Homosexualität, Behinderung und Sport angesprochen. 2. Aktivitäten mit Behinderten während der EuroGames
1.1. Behindertenkoordination in der Organisation der
2.1. Kultur
EuroGames München
Behinderte und Behinderungen sollten während der EuroGames Zur Koordination der einzelnen Aktivitäten wurden zwei Fachkräfte sichtbar und damit zum Thema gemacht werden. Ein Aspekt dabei in das Team der EuroGames Organisation geholt, die sich ganz war die Integration behinderter KünstlerInnen in das Kultur- gezielt um die Integration Behinderter Menschen in die Euro- programm der EuroGames. Die RollstuhltänzerInnen des USC Games gekümmert haben. Sie waren mit der Koordination einzelner München standen für die Eröffnungsfeier in der Olympiahalle auf Aktivitäten sowie mit der Beratung der OrganisatorInnen in Behin- dem Programm. Die Gruppe „Höllenblitz und Stöckelschuh", eine dertenfachfragen beauftragt. Für Anfragen zum Thema Behinde- Gruppe geistig behinderter Menschen, war für das Bühnenpro- rung wurde eine eigene eMail-Adresse eingerichtet. Hier liefen alle gramm des Rainbow Village im Theatron engagiert, die Gruppe behindertenspezifi schen Anfragen, Wünsche und Fragen zusam- „Tonsatz", eine Gruppe mit körperlichen Behinderungen bei einer men. Die eMail-Adresse wurde sowohl von TeilnehmerInnen wie der Kulturveranstaltungen im Literaturhaus. auch OrganisatorInnen der EuroGames genutzt. 2.2. Sport
1.2. Bekanntmachen der EuroGames bei behinderten

In 17 Sportarten wurden insgesamt 46 Menschen mit Behinderun-gen integriert. Ein eigenes Turnier fand im Rahmen des Tanzturniers Die EuroGames richten sich vorwiegend an Schwule, Lesben, Bi- in der Olympiahalle statt, wo die antretenden Paare in einer eigene und Transsexuelle. Die Teilnahme steht jedoch allen Menschen Wertungsrunde tanzten. In allen anderen Sportarten wurden be-offen. Auch beim Thema Behinderung wollten wir schwule, lesbi- hinderte SportlerInnen in das reguläre Sportprogramm integriert sche, bi- und transsexuelle Behinderte ermutigen, an einer schwul- und separat gewertet. Im Rainbow Village auf dem Coubertinplatz im Olympiapark wurde 5. Statistik über die Anmeldungen behinderter SportlerInnen
es in einem Rollstuhlparcour nicht im Rollstuhl sitzenden Men-schen ermöglicht, in einem Rollstuhl sitzend einen Parcour zu durchlaufen, um so die Perspektive aus dem Rollstuhl erleben zu können. Auch hier war das Ziel, das Thema Behinderung sichtbar zu machen. Dieser Parcour wurde von der TU München gemein- sam mit Studierenden der sportwissenschaftlichen Fakultät orga- Bei der Auswahl der Sportstätten wurde auf die Barrierefreiheit der Anlagen Wert gelegt. Darüber hinaus waren bei den Kultur- veranstaltungen, den Sportveranstaltungen nach Bedarf, bei der Pressekonferenz und am zentralen Info-Turm der EuroGames Gebärdendolmetscher anwesend. Durch die Anwesenheit von Ge- bärdendolmetschern war die Integration von behinderten Men- Teilnahme am Outreach-
schen bei allen wichtigen Veranstaltungen der EuroGames als selbstverständlicher Bestandteil sichtbar. Durch die breit ange- legte Thematisierung des Themas Behinderungen wurden auch behinderte HelferInnen und GastgeberInnen gefunden. So konnte auch auf dieser Ebene Integration erfolgen. 3. Konferenz Homosexualität und Behinderung
Die Konferenz Homosexualität und Behinderung fand am GastgeberIn30. Juli 2004 in den Räumlichkeiten der ZHS statt. Ziel der Konfe- renz war die Verknüpfung der Themenbereiche Behinderung, Sport und Diskriminierung. Fachvorträge internationaler Referen- tInnen, Portraits behinderter SportlerInnen und ein Workshop er- möglichten es, die Themenbereiche von unterschiedlichen Blick- winkeln zu beleuchten. Die Konferenz wurde international mit einem eigenen Flyer bewor- ben. Konferenzsprache war Englisch, es nahmen rund 50 Personen an der Konferenz teil.
Auch wenn mit 47 angemeldeten TeilnehmerInnen am Sportpro- gramm der EuroGames in München die Zahl der Behinderten sehr klein ist, so sind diese 47 Anmeldungen für die EuroGames bereits Mitglied im schwul-
ein Riesenerfolg. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden Be- hinderte so intensiv beworben und Behinderung während der Spiele sichtbar gemacht. Auch die Konferenz hat gezeigt, dass Behinderung und Homosexualität bislang ein sehr viel größeres Tabu ist als Homosexualität generell, weshalb es auch für Behin- derte sehr viel schwieriger ist, an Veranstaltungen wie den Euro- Games teilzunehmen. Wir gehen davon aus, dass mit den Aktivi- 47 Teilnehmer (= 100%) täten in München Bewusstsein für das Thema Homosexualität und Behinderung geschaffen und ein Grundstein dafür gelegt wurde, in zukünftigen schwullesbischen Sportveranstaltungen die Inte-gration behinderter Menschen zu berücksichtigen.



Unser ganz besonderer Dank
gilt den Sponsoren
A lot of thanks to our sponsors
Wir bedanken uns herzlich
für die Unterstützung bei
folgenden Partnern
Many thanks to the fol owing
partners for their marvel ous
support
Wir bedanken uns sehr herzlich
Bayerischer Tischtennisverband (BTTV) Bayerischer Badmintonverband (BBV) Bayerischer bei unseren Partnern im Sport-
Handballverband Bayerischer Karate Bund (BKB) Bayerischer Leichtathletik Verband Bayerischer Ringerverband Bezirk Oberbayern Bundesverband Deutscher Kraft Drei- Special thanks to our sports kämpfer Bushido e.V. DAV Kletterzentrum München ESV München Ost ESV Neubiberg European Powerlifting Federation (EPF) Firma Helmut Walser Firma JOOLA, Tischtennis GmbH + Co. KG Yonix Frauensportverein Amazonen e.V. Gay Outdoor Club Hikedykes International Association of Gay and Lesbian Martial Artists (IAGLMA) Isarbowling Sponsoren und Partner der EuroGames 2004
Sponsors and partners of the EuroGames 2004 by authority of EGLSF Isarhechte e.V. Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft München 1406 Landeshauptstadt München, SchulreferatMTV 1860 München München Roadrunners Club e.V. Olympia Park München GmbH Olympia Park München GmbH, Leistungs-zentrum für Rudern und Kanu Racket Club München e.V. RSC Fit Factory Rudergesel schaft München von 1972 e.V. Schach-Bezirksverband Oberfranken Schachclub 1868 Bamberg Sport Erhardt Sportime, J. F. Baer GmbH, Schwerte Sportschule FFB-Puch SV Siemens Ost Team München e.V. Technische Universität München, Fakultät für Sportwissenschaft Zentrale Hoch-schulsportanlage Tennis-Center Keferloh Trägerverein der DAV-Kletteranlage München-Thalkirchen e.V.

Source: http://www.gaysport.info/EGLSF_Public_Documents/Konferenz_EuroGames2004_De.pdf

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